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EDITORIAL Ausgabe 88

Liebe Leser,

 

... als ich im Januar im Allgäu in der Redaktion zu Besuch war, schmunzelten wir noch über die Nachrichten aus China. Ein neuer Virushype? Nicht schon wieder. Aber nun sitzen wir alle in unseren vier Wänden, dürfen uns nicht mehr versammeln und uns nur noch aus sicherer Entfernung „Gesundheit“ zurufen ...

Ich habe mir seit Beginn der Berichterstattung das Hirn wundgelesen und die Lage sondiert. Nüchternheit ist selten, denn die Medien wetteifern mit ihrer Hysterie wie die Bevölkerung ums Klopapier. Und unter den täglich steigenden Infizierten- und Todeszahlen gehen die Ansichten der Experten unter, die nicht ins Panikhorn stoßen. Alles muss auf Linie. Falls Sie nicht längst die Gegenseite kennen, empfehle ich Ihnen Prof. Sucharit Bhakdi, John P. A. Ioannidis oder Tom Jefferson, allesamt Größen ihres Fachs.

 

Sehen Sie, ich will hier gar nicht herumposaunen, die ganze Sache wäre Fake. Denn dazu sind sich die Experten zu uneins und die Folgen zu verheerend. Aber mir ist bei der Vorbereitung des Hefts etwas klarer geworden. Was hier tatsächlich stattfindet, das ist ein Kampf um die Deutung der Welt, ein Krieg der Weltbilder. Den Gedanken hege ich schon länger, aber Corona war der Anlass, die Idee zu Papier zu bringen: In unserer neuen Rubrik „Kampf der Narrative“ finden Sie drei Erzählstränge zur Einordnung des Geschehens. Welcher stimmt?

 

Wenn wir offen mit den vorliegenden Daten umgehen, werden wir eins feststellen: Es gibt nur Prognosen, Modellrechnungen und wenig Erfahrung. Im Grunde weiß keiner genau, ob die Maßnahmen, die wir ergreifen, die richtigen sind. Gewonnen hat derzeit die Fraktion, die auf Nummer sicher gehen will. Aber es ist abzusehen, dass uns diese Sicherheit mehr kosten wird als eine kurzfristige Spitze von Schwerkranken. Weit mehr.

 

Im Editorial von Heft 86 hatte ich über die Erkenntnisse der Chaostheorie geschrieben, insbesondere den heiklen Punkt der Bifurkation. Jene Gabelung, an der sich entscheidet, ob das System vollends ins Chaos abgleitet oder sich eine neue Ordnung etabliert. Ich meine, dass uns das Virus, auf jeden Fall aber die globale Reaktion darauf, vollends in diesen Punkt hineinkatapultiert hat. Die Welt hält kollektiv den Atem an. Vieles ist ungewiss.

 

Wir stehen am Scheideweg. Schon werden die ersten Stimmen laut, die Impfstoffentwicklung abzukürzen. Dass es noch nie einen gegen Coronaviren gab und auch die beschworene Herdenimmunität wissenschaftlich alles andere als sicher ist, geschenkt. Es ist die Rede von einem Biochip, der allen implantiert werden soll, um eine Corona-Infektion drei Wochen vor dem Ausbruch zu messen. Dass wir eine Weltregierung brauchen, wie zusammengewürfelt auch immer, um der Pandemie Herr zu werden. Hier drohen die Albträume aller NWO-Kritiker wahr zu werden.

 

Unbemerkt vom Mainstream schleicht sich aber auch ein anderes Weltbild heran. In diesem Bild ist das Virus nur ein Fingerzeig von Gaia, unserer Mutter Erde. Ist es nicht seltsam? Ein unscheinbares Virus hat geschafft, was weltweite Meditationen und Proteste nicht vermocht haben: Die Maschinerie steht still, der Himmel ist streifenfrei. Durchatmen ist angesagt, nicht schnappatmen. Die Botschaft des Virus lautet: Wenn in China ein Mensch hustet, dann hat das sehr wohl etwas mit uns zu tun. Mit jedem von uns. Haben Sie mitbekommen, mit welchem Spruch eine chinesische Firma Atemmasken als Nothilfe nach Italien geschickt hat? „Wir sind Wellen auf demselben Meer, Blätter am selben Baum.“ Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich das lese.

 

Welchen Abzweig nehmen wir? Rücken wir enger zusammen, besinnen wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten – oder gehen wir endgültig in die soziale Distanz? Lesen Sie aufmerksam unseren Leitartikel von Robert Solomon, denn der könnte eine Antwort darauf liefern. Laut ihm haben wir es selbst in der Hand, welche Zukunft wir aus der Matrix pflücken. Entscheidend ist unsere Intention, unser Augenblicksgefühl. Das Jetzt. Sind Sie panisch? Fürchten Sie die endgültige Kontrolle? Dann wird diese Realität kommen.

 

Ich habe mich für eine andere Version entschieden. Und aus dieser angstfreien Position sehe ich eine enorme Chance. Ich sehe tatsächlich eine Apokalypse, eine globale Enthüllung. Wenn man jetzt genau hinschaut, entpuppen sich die wahren Motive aller Akteure, der Eliten wie der Mitmenschen. Jetzt zeigt sich, wie dick die Haut unserer Zivilisation wirklich ist.

 

Wo wird das alles enden? In mir jedenfalls kokelt nach wie vor der Optimismus. Wie unser Autor Klaus Scharff sehe ich einen Punkt vor mir, in dem die Menschheit zu einem Kollektivgeist verschmilzt. Der Weg dahin ist holprig – denn bis dahin müssen wir nicht nur lieb gewonnene Gewohnheiten loslassen, sondern auch über ein wichtiges Instrument der westlichen Welt hinauswachsen: den rationalen Verstand. Hinter der Unsicherheit, die uns gerade kollektiv in Atem hält, erwartet uns etwas, das den Verstand übersteigt. Wie das aussehen soll? Keine Ahnung, ich bin selbst ein Kopfmensch. Aber ich bin gespannt.

 

Klaus Scharff war es auch, der mich auf eine interessante Studie aufmerksam gemacht hat. Laut dieser erzeugen wir durch unsere aggressive Zerstörung der Ökosysteme, durch die Ausrottung von Tierarten erst den Mutationsdruck, der Viren die Arten überspringen lässt. Sie suchen ein neues Zuhause. Covid-19 wäre dann tatsächlich so etwas wie der warnende Zeigefinger der Natur – und kybernetisch erklärbar.

 

Wir sind alle Wellen auf demselben Meer.

 

Herzlich,

 

Ihr Daniel Wagner

Quelle = nexus-magazin.de

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