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Okt/Nov 2018

Editorial Ausgabe 79

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Liebe Leser,

 

was ist der Tod? Für die Anhänger der westlichen Religionen ist er etwas Endgültiges: Sie sehen darin das Ende der körperlichen Existenz, nach der der Sterbliche vor seinen Schöpfer tritt und – wenn er sein Sündenregister nicht überstrapaziert hat – auf ewig ins Himmelreich eingeht. Für die Jünger des modernen Materialismus ist sowieso Schluss: Ihnen zufolge gehen nach dem Tod die Lichter aus und unser Körper löst sich, zusammen mit allem, was als „Ich“ bezeichnet wurde, in seine Bestandteile auf ...

Zwischen beiden Extremen gibt es unzählige Varianten, und gerade in jüngster Zeit hatten die Zurückgekehrten Konjunktur, doch im Grunde lassen sich sämtliche Spekulationen auf einen simplen Fakt herunterbrechen: Das, was wirklich geschieht, weiß nur der Sterbende selbst – und für die Menschen, die er zurücklässt, bleibt ein Fragezeichen.

Ich sitze in einem weißen Skoda Yeti, der die A9 hinunterbraust. Gesteuert wird das Auto von Amara, einem Deutschen, der sich vor 30 Jahren, einer inneren Eingebung folgend, nach Indien begeben und in eine vedische Priesterlinie einweihen lassen hat. Die acht Stunden, in denen wir im Auto sitzen, fliegen nur so vorbei: Wir unterhalten uns über die Kraft der alten Agnihotris, die mit ihren Homa-Feuern über Jahrtausende die Erinnerung an den geistigen Ursprung des Universums aufrechterhielten, über die echten Naadi-Palmblattbibliotheken, die seit Generationen von einer Familie betreut werden und zu denen er Führungen organisiert, über die Bescheidenheit wahrer Lehrer und das herrschende Kali-Yuga, in dem die Menschen von Gier getrieben und die Rechtschaffenheit wie der Glaube an Gott Stück für Stück korrumpiert werden, bis sie gänzlich in Vergessenheit geraten.

„Veda“, sagt er, „das heißt Wissen. Und dieses Wissen war einst auf der ganzen Welt verbreitet.“

„Einst“ meint die Zeit vor dem Kali-Yuga, vor der letzten großen Katastrophe. Die vedischen Texte behaupten von sich, archaische Überbleibsel dieses Wissens zu sein – und selbst dieser Bruchteil ist so tief und exakt, dass man ein ganzes Leben damit zubringen kann, ihn zu studieren. Je länger wir uns unterhalten, je mehr Sanskritbegriffe Amara mir auslegt, desto klarer wird mir: Diese uralten Texte sind ein magischer Spiegel der modernen Wissenschaft. Es ist eine hochrationale, fast technische Sprache – nur, dass diese eben nicht die materielle Welt beschreibt, sondern die geistige. Das Gespräch erinnert mich wieder daran, wie geschlossen das Weltbild der Veden ist, wie stimmig.

Wir unterhalten uns auch über Leben und Tod. Den Veden zufolge sind wir unzerstörbare Seelenfunken, ein Teil Vishnus, des Schöpfers aller Universen. Auch das haben wir vergessen, weil wir von der Raumzeit umhüllt und ins Spiel von Leben und Tod verstrickt sind: samsara, den karmischen Kreislauf. In diesem Kreislauf werden wir wieder und wieder geboren, bis alle karmischen Bindungen, die wir im Laufe unserer zahlreichen Inkarnationen angesammelt haben, aufgelöst sind.

Wenn ein Mensch stirbt, so lässt er den Veden zufolge nur sein Vehikel zurück, seinen Körper. Das sei wie mit diesem Auto, sagt Amara: „Ich steuere es, aber ich bin es nicht.“ Daher gibt es bei den vedischen Priestern auch kein Bestattungsritual, wie wir es kennen: Die Rituale, die durchgeführt werden, dienen der Transformation, der Lösung von der physischen Ebene. Sie sollen es den Zurückgebliebenen genauso wie dem Toten erleichtern, von der materiellen Welt und den Verhaftungen, die sich im körperlichen Leben angesammelt haben, loszulassen.

Ein solches apara prayoga – ein „Nachtod“-Ritual – ist der Grund, warum wir gemeinsam unterwegs nach Akams sind: Am 3. September ist Thomas Kirschner verstorben, der Mann, der NEXUS nach Deutschland brachte und über Jahre dieses Magazin war. Er selbst war Agnostiker und dogmenfrei, hatte aber in den Veden einen Schatz entdeckt, zu dem es ihn immer wieder zurücktrieb. Thomas wollte kein Gewese um seinen Tod, aber da er uns viel bedeutet hat, haben wir beschlossen, ihn im kleinen Kreis zu verabschieden.

Am nächsten Morgen sitze ich gegen 10:30 Uhr in einer familiären Runde aus Mitarbeitern und Freunden auf der Terrasse unseres Verlagsgebäudes. Amara hat seine rituelle Kleidung angelegt und sitzt im Schneidersitz vor kleinen Tischchen. Wir schauen nach Süden – nur Totenrituale werden in diese Richtung ausgeführt; sie sollen Yama, den Herrn des Todes, günstig stimmen, damit er den Verstorbenen aufnimmt und in die nächste Inkarnation geleitet. Das Tischchen säumen Messingschalen mit Sesam und Reis, Obst und Blumenköpfen, ein Kännchen Wasser steht dazwischen. Links und rechts auf dem Tisch stehen hohe Deepam-Lampen aus Messing, in die ich Sesamöl gefüllt habe – Sesam gilt als besonders rein, daher wird er vor allem bei Totenzeremonien verwendet. Zwischen den Lampen, im Hintergrund, lehnt ein Bilderrahmen, in dem Thomas lächelt.

Nachdem Amara rituell seine Hände gereinigt hat, ruft er Ganapathi Ganesh, den Herrn der Yogis an, der den Pfad für alle erleuchteten Wesen vorgibt. Er soll etwaige Hindernisse beseitigen und den Anwesenden die Tür in die höheren Sphären öffnen. Amara nennt astronomischen Zeitpunkt und Ort der rituellen Handlung sowie den Namen des Verstorbenen, um den Vorgang in die Akasha-Chronik einzutragen. So wird er bis zum Ende aller Zeiten gespeichert sein, und alle Anwesenden werden, so Amara, bis zu ihrem eigenen Tod einen Nutzen daraus ziehen. Thomas’ Frau zündet die Öllampen an, auch eine kleinere vor dem Bild, das für Thomas steht.

Dann nimmt Amara ein Muschelhorn in die Hände und bläst hinein: Dreimal schallt ein klarer Ton in die Allgäuer Berge und kehrt zu uns zurück. Der Ton ist ein weiterer Schutz: Er baut ein Feld auf, um störende Einflüsse fernzuhalten.

Das Glöckchen, das der Priester als Nächstes schwingt, und die Mantren, die er dazu aus den heiligen Texten rezitiert, versetzen mich in Trance. Es ist ein diffuser Flashback, aus dem sich die Kernerinnerungen pellen – meine eindrücklichsten Begegnungen mit Thomas. Ich stehe wieder, geführt von einer schrägen Verquickung und dem Wunsch, beim jungen deutschen NEXUS mitzumachen, in der Paul-Neumann-Straße in Potsdam an der Tür und klingele. Thomas öffnet, bittet mich herein, hört sich meine Geschichte an, und drückt mir, weil ich so aufgekratzt bin, zwei Goldstäbe in die Hand – ein Frequenzgerät, das mich beruhigen soll. Er dreht es auf, mich durchzuckt ein Schlag … Ich bin in einem Seminarraum, irgendwo in Berlin. Es ist eines der letzten Feldenkrais-Seminare, die Thomas durchführt, bevor er sich endgültig und ausschließlich dem Verlag widmet. Vor Kurzem habe ich angefangen, für NEXUS zu übersetzen – es ist ein Text von Steven Greer. Thomas fleddert mir meine Übersetzung auf den Tisch, die mit roten Anmerkungen übersät ist: „Ist nicht dein Ernst, oder? Das nennst du Übersetzung?“ Ich bin wie vor den Kopf gestoßen, und beginne, mir die wichtigsten Stilbücher reinzuziehen … Ich liege im Garten des Potsdamer Verlagshauses, die Druckfahne des „Organischen Universums“ von Giuliana Conforto in der Hand, als Thomas aufgeregt auf die Terrasse stürmt und meint, er hätte gerade das Buch eines verrückten Typen aus dem Internet geladen: der heiße Jim Humble, sei ein alter Goldgräber und habe ein Wundermittel gegen Malaria entdeckt …

Die Erinnerungen verschmelzen. Das Gefühl, das in mir hochkommt, kenne ich von den christlichen Begräbnissen, die ich bisher erlebt habe: Da ist diese Trauer über das unwiderruflich Vergangene, die Erinnerungen an die Erlebnisse mit einer Person, die nie wieder da sein wird. Gleichzeitig ist da aber auch ein Schauer von Freiheit, Grenzenlosigkeit, Freude. In solchen Situationen kann ich nie sagen, ob ich weine oder lache. Amara reißt mich aus meinen Gedanken.

„Daniel, kannst du mal den Weihrauch holen? Der ist in so einer gelben Kiste.“

Mit dem Duft des Weihrauchs, der vom Altar wabert, kehrt meine Fassung zurück. Wir sind in dem Teil des Rituals angekommen, in dem Amara das Wasser, mit dem das Haus gereinigt werden soll, mit lösenden Mantren „auflädt“. Die Kupferamphore mit dem Wasser reicht er Thomas’ Frau, dazu ein längliches Bündel Kushagras. Das Ritual sieht vor, dass sie, nachdem sie unsere kleine Runde gesegnet hat, durch das gesamte Haus geht und jeden Raum besprenkelt. Ihr Sohn folgt ihr mit einer Schüssel Sesam, den er in die Ecken streut. Beides soll dabei helfen, die Anhaftungen zu lösen, die die Lebenden und Toten noch in diesem Haus haben.

Während die beiden unterwegs sind, ploppen die nächsten Erinnerungskerne auf. Mir fällt ein, wie ich frohgemut aus einem Urlaub zurück nach Potsdam komme, und Thomas gerade auf seinem Nibiru-Tripp ist: Ein ganzes Heft im Zeichen der dräuenden Katastrophe, und ich sitze am Rechner wie Falschgeld. „Ist das der Grund, warum ich hier beim NEXUS gelandet bin“, frage ich mich – „um den Weltuntergang zu verkünden?“ … Ich denke an die Besessenheit, mit der Thomas auf das Jahr 2012 zusteuerte. Es war ein innerer Drang, eine Besorgnis über den Zustand der Welt, die ihn schließlich in die Sicherheit und Abgeschiedenheit des Allgäus trieb. Dass das Haus einen Bunker hatte, war ein Entscheidungsgrund für den Kauf … Mir geht durch den Kopf, wie wir hier auf engstem Raum anfingen, und ich die erste Zeit im Bunker schlief – und wie dann, als der 21.12.2012 ohne große Vorkommnisse vorüberging, seine unterschwellige Furcht von etwas ganz Realem abgelöst wurde: seiner Krankheit. Sie wurde zu seiner Nemesis, seinem persönlichen Nibiru: Welche Strategie, wie viele Therapien er auch ausprobierte – am Ende konnte er ihrer nicht Herr werden …

Es grunzt. Am unteren Ende der Wiese steht Elsbeth, das Hausschwein, und nagt an den Brettern zum Hag. Ich muss schmunzeln, denn auch sie erinnert an Thomas, seine Eigenarten … und ein paar Anekdoten. Als die Hausherrin und ihr Sohn zurückgekehrt sind, fährt Amara mit dem Ritual fort:

„Jetzt ist der Zeitpunkt“, wendet er sich an uns, „an dem man dem Verstorbenen noch ein paar letzte Dinge sagen kann, die einem auf dem Herzen liegen. Falls es noch Ungesagtes gibt, oder Dankesworte – das alles kann jetzt geäußert werden.“

Es sind private Erinnerungen, die in der Runde aufkommen, Worte, aus denen vor allem eins herausklingt: Respekt. Als ich an der Reihe bin, fällt mir das Wort „Lehrer“ ein, mit allen Konnotationen. Ich bin dankbar für alles, was ich von Thomas gelernt habe – und dazu gehört eben auch zu erkennen, was mich von ihm unterscheidet, was ich nicht bin. Aber ich weiß, dass ein Großteil von dem, was meine öffentliche Persönlichkeit ist, von ihm geprägt wurde. Er hat mir eine Form gegeben, eine Richtung.

Thomas Kirschner (- 03.09.2018)

Über die Wege des Schicksals haben schon viele bedeutende Menschen viele bedeutende Worte gesagt. Meines kommt mir inzwischen vor wie eine Bobbahn: Irgendwann habe ich die Karre angeschoben, und seitdem geht es mit ziemlichem Karacho einen Weg entlang, der mich in den Kurven ab und zu aus der Ideallinie trägt, aber doch immer wieder auf eine Spur zurückbringt, die ich selbst nicht gefertigt habe. Und auf dieser Spur liegt – fragen Sie mich nicht, warum – dieser Mensch, dieses Magazin.

Ich weiß nicht, ob es ohne einen Thomas Kirschner ein deutsches NEXUS-Magazin geben würde. Ob Sie ohne ihn von David Icke, John Bedini oder Project Camelot erfahren, mit Rife-Frequenzgeräten, Beck-Pulsern oder alchemistischen Instrumenten experimentiert hätten. Ob Sie je den Gedanken gehegt hätten, dass wir alle nur ein Zoo von Entitäten sind, die sich an unseren Ängsten laben. Oder wüssten, was eine Drop-dead-Distance ist. Ich weiß nicht, ob Sie diese Zeilen lesen würden. Vielleicht – aber es wären ganz gewiss andere gewesen.

Das Ritual entfaltet seine Wirkung: Mitten in unseren Erinnerungen beginnen wir zu lachen. „Wer weiß?“, witzeln wir. „Wahrscheinlich ist Thomas schon auf der nächsten Ebene unterwegs, um deren Geheimnisse klarzumachen. Und wenn wir ihm dann wiederbegegnen, wird er uns brühwarm erzählen, was er schon alles entdeckt hat.“ In unseren Witzeleien klingt auch der Dank mit, einen solchen Menschen kennengelernt zu haben: einen mit Ecken und von einer Schroffheit, die langsam ausstirbt. Einen eigenwilligen Macher, immer von etwas getrieben, immer auf der Suche. Einen Zündfunken, der Menschen anstecken konnte.

Bevor wir uns zum Homa-Feuer begeben, dem letzten Teil des Rituals, nimmt sich jeder von uns ein paar Blumenköpfe aus der Schale und wirft sie auf den Altar vor das Bild, um seinen Dank auszudrücken. Hinter der Glasscheibe lächelt er. Nein, Thomas hätte das alles hier nicht gewollt: keinen Nachruf, kein Brimborium. Aber ich kann mich, als ich meine Blumen auf den Altar schnippe und ihn noch einmal ansehe, des Gefühls nicht erwehren, dass er ein bisschen stolz auf uns ist.

Wir begeben uns zur Feuerstelle im Garten, um die wir zuvor Blütenblätter gestreut haben. Alle nehmen darum Platz, den Blick weiter in Richtung Süden. In den bereitgestellten Topf mit frisch gekochtem Reis rühre ich schwarzen Quinoa und Sesam. Amara streut Kampfer über die Holzscheite, wirft ein paar Brocken Kuhdung hinein, öffnet ein großes Glas mit Ghee. Als das Feuer entzündet ist, chantet ershlokas aus dem Rigveda, einem der ältesten Texte der Erde. Bei jedem svaha, mit dem die Verse enden, opfert Thomas’ Frau einen Teil der Reismischung, bis alles aufgebraucht ist. Unsere Runde ist still und friedlich, wir lächeln. Zum Schluss bittet Amara uns, gemeinsam ein Mantra zu intonieren. Eine Schale Reis geht herum, von der sich jeder eine Hand voll nimmt. Dann stimmen wir an: Om … namo … narayanaya … svaha.

Acht Mal wiederholen wir das Mantra, aus jeder Hand wandert beim svaha ein wenig Reis ins Feuer. Es lodert auf.

Danke, Mann. Du hast unser Leben verändert.

Jetzt sitze ich also hier, an der Position, in der ich ihn so oft von außen gesehen habe, und brüte über den Sätzen des Editorials, mache mir Gedanken um die weitere Entwicklung der alternativen Szene und sinniere, wie ich zusätzlich zu den Artikeln des englischen Hefts knackige Autoren und Themen an Land ziehen kann. Die Kollegen und Freunde, mit denen ich meine Entwicklung und Pläne besprochen habe, haben mir immer wieder signalisiert: Mach, das ist der richtige Schritt. Es wird weitergehen, mit neuen Themen, neuen Gesichtern, neuen Impulsen.

Was ich an Thomas immer bewundert habe, das war sein Instinkt für das Neue, seine Forschheit, sein Drang, Dinge anzupacken und bekannt zu machen. Genauso klasse fand ich, dass er die Leser an seinem eigenen Erkenntnisprozess hat teilhaben lassen. Die Inder haben da einen schmucken Spruch, der auf das vedische Wissen zurückgeht: Wenn jemand stirbt, dann gibt er seine Eigenschaften weiter – die schlechten an seine Feinde … und die guten an seine Freunde.

Mag sein – mir hat er schon im Leben genug weitergegeben.


Herzlich

 

Ihr Daniel Wagner

Quelle = nexus-magazin.de